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Nach dem letzten Schuss
ist der Krieg nicht vorbei
18.09.2026 · 19:00 Uhr

„Nach dem letzten Schuss ist der Krieg noch lange nicht vorbei“
Ein Film- und Gesprächsabend in der Eiche

Man spricht ja nie drüber…

Über acht Jahrzehnte ist das Ende des zweiten Weltkriegs nun schon her. Dieser Dokumentarfilmabend erinnert nicht nur an den Bombenkrieg über Kiel, sondern auch an das grosse Schweigen und das grosse Trauma danach. Die beiden Dokumentarfilme werden durch Gespräche mit den FIlmemachern Kay Gerdes und Jess Hansen und der begleitenden Psychotherapeutin Frau Dr. Helga Spranger eingerahmt. Frau Dr. Spranger, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hat den Gesprächskreis damals geleitet und wird ein kurzes Einführungsreferat halten

Film 1: „Kiel im Bombenkrieg“ – Ein Film von Kay Gerdes

Die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges haben große Teile Kiels zerstört. Bei insgesamt 90 Luftangriffen fielen 44.000 Spreng- und 500.000 Brandbomben auf die Stadt. Fast 3.000 Menschen fanden dabei den Tod. Drei Viertel der Gebäude wurden beschädigt oder zerstört.

Kieler Zeitzeugen erinnern sich an die Angriffe aus der Luft und ihr Leben in Luftschutzkeller und Bunker. Historische Filmaufnahmen, die zum großen Teil in diesem Film erstmalig zu sehen sind, zeigen den Weg Kiels von den ersten Angriffen bis zur weitgehenden Zerstörung der Stadt.

Länge: ca. 49 Minuten

Film 2: „Nach dem letzten Schuss ist der Krieg noch lange nicht vorbei“

Kay Gerdes (Regie, Kamera, Schnitt)

Jess Hansen (Regie, Ton)

Es dauert eine Weile aber irgendwann ist das Eis gebrochen. Immer freier sprechen die Menschen, die fast ein Leben lang geschwiegen haben über ihre verstörenden Kriegserlebnisse. Sie berichten teilweise erstmalig von ihren ganz persönlichen Gefühlen und Ängsten, im Bombenhagel, während der Flucht oder während der Hungerjahre.  Ein durch die AWO-Kiel initiierter Arbeitskreis, begleitet von einer Psychotherapeutin, schafft den Rahmen für diese Gespräche: Kriegskinder-und Enkel lassen nach Jahrzehnten des Schweigens ihre düsteren Gedanken endlich frei. Die Kieler Filmemacher Kay Gerdes und Jess Hansen waren fast zwei Jahre dabei und konnten diese Befreiung dokumentieren.

Länge: 39 Minuten

Filmbesprechung von Wilfried Hippen anlässlich des Schleswig-Holsteinischen Filmfestes 2018 in der TAZ am 19.4.18

Ganz ohne doppelten Boden, geradezu roh und kunstlos haben Kay Gerdes und Jess Hansen „Nach dem letzten Schuss ist der Krieg noch lange nicht vorbei“gedreht.

Sie haben nicht viel mehr gemacht, als ihre Kamera auf die Protagonisten zu richten und so ist dies eher Dokument als Dokumentation. Sehenswert sind seine 39 Minuten trotzdem, denn dies ist ein schönes Beispiel für die Möglichkeiten und die Relevanz von „oral history“. Eine Gruppe von alten Menschen erzählt von ihren Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg. Als Kinder wurden sie von ihren traumatischen Erlebnissen geprägt. Und sie erzählen davon, wie seelisch verkrüppelt ihre Eltern waren und ihre Gefühle nicht zeigen konnten – oder ganz verstummten. Viele sprechen offensichtlich zum ersten Mal so offen über diese inneren Verletzungen, die nie verheilt sind. Manchmal analysiert eine Therapeutin das Erzählte und spätestens dabei wird deutlich, dass sich diese Menschen in einer Gruppentherapiesitzung offenbaren. Hier wird so viel von Schmerz, Verlust, Verletzungen, Hunger und Gewalt erzählt, dass es schwer zu ertragen ist. Deshalb haben die Filmemacher kleine Ruhepausen in ihren Film montiert, in denen sie nur Küstenlandschaften oder das offene Meer zeigen und abgesehen von ein paar Naturgeräuschen Stille herrscht. Gerdes und Hansen machen deutlich, wie zerstörerisch der Krieg ist und wie nachhaltig er die Menschen verändert. Es bleibt leider ein sehr aktueller Film.

Eintritt 7,00 €, Jugendliche/Studierende 5,00 €
Ermäßigter Eintritt für Mitglieder KulturEiche e.V. 5,00 €

Vorverkauf ab sofort auf der Webseite EventFrog.